Kognitive Dissonanz, so sagen Einige, ist das stärkste “Gefühl” überhaupt. Das menschliche Gehirn ist immer bestrebt, einen konsistenten Zustand herzustellen. Zwei Tatsachen, die so garnicht zueinander passen, mag das Gehirn garnicht und sorgen bei Vielen für richtig großen Stress im Kopf. Die Wikipedia https://de.wikipedia … /Kognitive_Dissonanz schreibt dazu “Dissonante Zustände werden als unangenehm empfunden und erzeugen innere Spannungen, die nach Überwindung drängen.”
Viele Menschen, die zum erstem Mal mit Aussagen der Klimabewegung konfrontiert werden, erleben kognitive Dissonanz. Wir sollten es Menschen erleichtern, ihre Meinung zu ändern und akzeptieren, wenn dies Zeit braucht.
Ich selbst erlebe starke Kognitive Dissonanz mit manchen Feministen (fast nur männlichen Feministen) in der Klimabewegung. Wie kommt dies?
Hierzu erzähle ich einen “Schwank” aus meiner Kindheit. Jaaa… Sorry dafür.
Wie aus meinem Namen vielleicht hervorgeht, war ich ein sehr sehr kleiner Mensch mit sehr sehr hoher Stimme. In der Tat war ich (cis-männlich) in der Grundschule kleiner als das kleinste Mädchen und auf der weiterführenden Schule unter 120 Kindern war nur ein Mädchen kleiner als ich. Zudem kam ich vom Dorf. Meine Mutter hatte außerdem die unterstützenswerte, idealistische Einstellung, keine Normen in Bezug auf männlich oder weiblich an mich zu vermitteln. So spielte ich mit Puppen, trug taillierte Kleidung mit Blümchenmuster oder glänzendes pinkes Satin als Kind. Ich konnte nichts mit “jungs-sachen” anfangen, und war hochsensibel (e.g. gegenüber vielen gleichzeitig handelnden Menschen) und emotional.
Dementsprechend wurde ich gemobbt und sperrte meine Gefühle vollständig weg, konzentrierte mich voll auf die Kognition. Später wurde ich der klassische beste (online-)Freund der sich von Frauen die Verfehlungen sexgeiler Jungs anhörte und selbst immer allen alles recht und alles richtig machen wollte. Mehrfach erlebte, wie Mädchen Anmachen an mir übten nur zum Spaß und oft unangekündigt berührt wurde und daher verkrampfte und die Menschen deswegen beleidigt waren. Der aber nie eine Beziehung einging weil er nicht das Gefühl hatte, dass es irgendwas ernstes werden könnte und alles Lockere als unmoralisch empfand, da er niemanden so enttäuschen wollte, wie er selbst als ausgegrenztes kleines Dorf-Kind sich fühlte.
Erst nachdem ich dann in einem Studiengang mit 300 Informatikern anfing zu studieren, merkte ich, dass ich nicht allein war. Erstmals lernte ich Gleichaltrige kennen, die zwar nicht alle wie ich ein Mobbingopfer waren und dementsprechend im Gegensatz zu mir, Sozialkompetenz und Kontakt zu ihren Gefühlen aufgebaut hatten - so dass ich mich weiter unterlegen und dumm und falsch fühlte. Aber die , so wie ich, sich aktiv weigerten, Männlichkeitsforderungen zu erfüllen und mehr weibliche als männliche Energien hatten. (max. 10% der Informatiker). Das alles wusste ich damals natürlich noch nicht mit den Energien https://www.google.c … e+weibliche+energien und den Anforderungen.
Dementsprechend habe ich auch noch nie erlebt, wie ein Mensch aus meinem geschätztem Umfeld eine Frau diskriminiert hätte. Aber es gab natürlich in meinem Umfeld viele Menschen, die mutiger waren als ich, und eine Beziehung eingegangen waren - und dann von ihrer Partnerin vor die Tür gesetzt wurden, ihre Kinder nicht mehr sehen durften, oder Kinder untergejubelt bekamen. Und so weiter, viele viele Einzelgeschichten. Und natürlich kenne ich Männer, die sich sexistisch verhalten, aber sie sind keine Freunde.
Das, ist die Welt, wie ich sie kenne. Till Lindemann und Kai Diekmann und ähnliche Arschlöcher - ja die gab es auch in meinem Leben: Das waren die, die mich verprügelt haben.
20 Jahre später dann kommt eXtinction Rebellion, und schreibt mir vor an einem Workshop zur “kritischen Männlichkeit” teilzunehmen. Ihr könnt euch vorstellen, wie ich, als jemand der Männlichkeitsanforderungen zu tiefst ablehnt und aktiv verweigert und sich wünscht, das jeder Mensch unabhängig von seinem Geschlecht einfach sein darf, wie er ist - und als jemand, der immer bemüht war, niemanden zu verletzen und keine Fehler zu machen, wie ich mich auf diesen Workshop gefreut habe. Endlich mehr Menschen kennenlernen, die denken wie ich.
Dachte ich.
Was dann passiert ist, war die 100%ige Desillusionierung. Das, was eXtinction Rebellion und die Feminismusbewegten der Generation Z offenbar unter Feminismus verstanden, war cis-Männerbashing. Ich wurde gezwungen, mir zutiefst unangenehme Geschichten über Till Lindemann und Kai Diekmann-Testosteronie-Derivate anzuhören, die Frauen sexistisch behandelten und sexuell ausbeuteten. Mir wurde gesagt, dass ich aufgrund meiner Eigenschaft als cis-Mann (und ja, ich bin ein cis-Mann - 50% der Männer sind wie ich, lehnen Männlichkeitsanforderungen ab, haben viele weibliche Energien, versuchen immer alles richtig und es Allen recht zu machen), dass ich aufgrund meiner Eigenschaft als cis-Mann so wäre, wie diese ekelhaften Testosteronies und darüber reflektieren solle.
Dass ich als Mann auch einige Vorteile habe, war mir schon immer bewusst. Dieser Vorteil bezieht sich in Deutschland vor allem auf das Gehalt. Darum habe ich, so wie alle Männer in meinem Umfeld, auch immer versucht, diesen Vorteil so gut es geht auszugleichen. Dies geschieht z.Bsp. dadurch, dass man versucht Kosten Anderer zu übernehmen, ohne dass dadurch eine Abhängigkeit oder ein Machtgefälle oder eine Verpflichtung erwächst, und auch dadurch, dass WENN man in eine Entscheidungsposition gelangt, man auf eine faire Bezahlung hinwirkt, man Frauen motiviert, faire Bezahlung einzufordern usw. Dies ist eine Selbstverständlichkeit. [* Fußnote]
Und nun kommt eXtinction Rebellion, und erklärt mir, was für ein schlechter Mensch ich bin, dass ich über meine Verfehlungen reflektieren soll, dass ich mich für meine Privilegien entschuldigen soll, dass ich mich für die Verfehlungen von Testosteronies schlecht fühlen soll, NUR weil ich AUCH einen Schniedel habe?
JA - das hat allergrößte Kognitive Dissonanz bei mir erzeugt - ZUMAL die Person, die in der profeministischen Gruppe mir ausdrücklich verbat, Schwäche zu zeigen und mich wiederholt anhielt, zu sagen, dass ich Priviligiert sei, mir verbot, meine wahren Gedanken zu äußern - selbst genau so groß, körperlich stark, wortführend, durchsetzungstark, alle-gegen-einen-mobbend war, wie die Menschen, die mich 25 Jahre zuvor in der Schule wegen meiner kleinen Körpergröße, hohen Stimme, Hochsensibilität, und dem Aufbau emotionaler und körperlicher Nähe zu andren Menschen und weil ich vom Dorf kam - gemobbt hatten.
Meine Grundaussage ist: In Deutschland (und ich meine hier nur Deutschland) werden Menschen nicht mehr aufgrund ihres körperlichen Geschlechts diskriminiert, sondern aufgrund der Erfüllung von Männlichkeits bzw. Weiblichkeitsanforderungen. Außerdem geht die Diskriminierung nicht von Männern aus, sondern wird von allen Teilen der Gesellschaft gleichermaßen betrieben. Der Gender-Pay-Gap ist ein Problem und muss bekämpft werden, ist aber kein Privileg, sondern ein Problem für Alle [*Fußnote]
Ich würde mich wahnsinnig gerne mit eXtinction Rebellion, Lützerrather Klimabewegung, dem Klimacamp Rheinland und dem Klimanetz Heidelberg verbunden fühlen. Aber wie soll ich das, wenn ich wegen obigem Satz gemobbt werden und alle 25 Jahre alten und erst seit 10 Jahren überwundenen Kindheitserinnerungen wieder hochkommen.?
Wie lässt sich diese kognitive Dissonanz auflösen?
[* Fußnote]
Darüber hinaus, ist in meinem Umfeld, der angebliche Gehaltsvorteil - ein Nachteil: Er führt dazu, dass in ALLEN Familien die ich kenne, die Frau entscheidet dass der Mann mehr arbeiten soll und weniger zuhause sein kann - gegen seinen Willen.
In meiner eigenen Beziehung ging es soweit, dass meine Freundin meinen Wunsch Teilzeit zu arbeiten, entschieden ablehnte, weil sie sich sorgte, dass künftige Kinder dann eventuell nicht sicher versorgt seien und ich ihr kein Haus kaufen könnte. Bevor die Frage kommt: Ja wir sind nun nicht mehr zusammen. Leider. Ich musste mich trennen (sie tat es nicht, sie kommandierte mich nur), aber ich liebe sie (ich liebe die meisten Menschen, aber sie ist mir schon sehr extrem ans Herz gewachsen und ich vermisse sie sehr).